Träumen und Denken in Bildern

Prozesse des Entstehens von Gestaltungen – ein Rückblick

Tagungsbericht 2017

Symposium des DAGTP

Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin am 15/16.09.2017

Freitag, 15.09.2017

Berlin ist in Aufregung, das Wahlwochenende gibt der Bevölkerung eine verantwortungsvolle Aufgabe. Das Straßenpflaster bebt fast unmerklich, denn auch der alljährliche Marathon liegt am Start.

Es ist wieder soweit, das Symposium des DAGTP  lädt zu einem spannenden, wissensreichen Fachaustausch in der Kunsttherapie ein.

Wie schon in letzten Jahren strahlt die Sonne verheißungsvoll durch die wunderschönen sakralen Fenster der Aula der Hochschule. Neugierig erwartende Blicke begegnen sich.

Der Büchertisch der Berliner Buchhandlung "Antiquariat Fundus"  lädt durch die Menge der Titel, die er präsentiert, zum ausgiebigen Schmökern ein. Das vielfältige Angebot von Spielematerial, das Frau Meyer-Enders vom Kölner Institut für Kindertherapie KIKT / KIKT-The Ma zu ihrem Vortrag mitbrachte, gibt allen Teilnehmern die Möglichkeit, therapeutisches Spielematerial praktisch zu erkunden.

Einen besonderen Rahmen erhält dieses Symposium durch die Objekte der Künstlerin Tina Bach. Unter der Überschrift „Von Landschaften und Horizonten“ sehen wir wunderbare Glasobjekte. In ihnen spiegelt sich unser Blick und lässt die Phantasie zu ungeahnten Ufern ausschweifen.

Der Kanzler der katholischen Hochschule Herr M. Wrzesinski und die Vorstandsvorsitzende  Frau Walterspiel eröffnen mit einladenden, herzlichen Worten das Symposium.

Die Reihe der nun folgenden Vorträge eröffnet Frau Dr. phil. Henriette Schwarz. Sie ist Kunsthistorikerin und Kunsttherapeutin, Dozentin und Supervisorin. In ihrem Vortrag „Aktionale, kontemplative und selbstreflektorische Malerei in Kunst und Kunsttherapie“ verbindet sie Kunstgeschichte mit der Kunstpädagogik und der Kunsttherapie. Sie geht der Frage nach, inwieweit ein Zusammenhang zwischen spezifischen künstlerischen Impulsen in der Malerei und entsprechenden „best practices“ der Kunsttherapie besteht und legt diese offen. Kernthemen und Adaptionsformen werden an Meisterwerken der Malern von F. Bacon, J. Pollock, M. Rothko und B. Newman veranschaulicht. Für Interessierte wird sie zu diesem Thema am nächsten Tag einen Workshop anbieten.

Einmal kurz durchschnaufen, das wunderbare Buffet entdecken, den Durst löschen und weiter geht es mit dem Vortrag von Susanne Schoppen.

Susanne Schoppen ist graduierte Kunst- und Gestaltungstherapeutin und Lehrtherapeutin des DAGTP. In ihrer Masterthesis des Studienganges „Interdisziplinäre Therapie in der Psychosozialen Versorgung“ hat sie sich mit dem Begleitenden Malen nach Helena Schrode beschäftigt und die Sequenzen des Tuns von Therapeut und Patient genauestens beobachtet. Der Vortrag gibt einen hervorragenden Einblick in qualitative Forschung. In den gezeigten Videosequenzen sehen wir in kleinteiligen Schritten die Interaktionen der Therapeutin mit einer Patientin mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung. Dabei hat sie  den Fokus auf die Verwendung und Bedeutung der von der Therapeutin und Patientin benutzen Symbole gelegt.

Es folgt der Vortrag von Frau Gabriele Meyer-Enders. Sie ist Kinder-und Jugendpsychotherapeutin, Supervisorin und Dozentin an verschiedenen Instituten.

Einleitend zu ihrem Vortrag verhilft Frau Meyer-Enders uns mit taktilen Erfahrungen des Kunstgummis, wieder Kinder zu werden, zu spielen.

Die Konzentration steigt, Meridiane werden aktiviert, der Spaß am Geschehen ist hörbar. Die Geschichte und die große Bedeutung des Spiels im Zusammenhang mit der motorischen, psychischen und sozialen Entwicklung des Menschen ist der Inhalt des Vortrages.Wir erfahren, wie der Einsatz von Ton und Sand Vorbewusstes ans Licht bringen kann, wie das Spiel Voraussetzung der Symbolisierungsfähigkeit ist und die Grundlage der Bindungs- und Mentalisierung darstellt.

Nach dem Vortrag ist die Nachfrage, sich zu Möglichkeiten der Spielerweiterung im therapeutischen Settingberaten zulassen, riesig groß.

Ein Treiben in den Gängen, ein Klingen von Sektgläsern und der berauschende Duft von Blumen breitet sich dann in der ersten Etage aus. Alle sind geladen, Frau Ursula Knott zu ihrer Professur an der KHSB zu gratulieren.

Dunkel ist es draußen inzwischen geworden. Im hell erleuchteten Raum gilt es, den letzten Programmpunkt für den heutigen Tag zu bewältigen – die Mitgliederversammlung des DAGTP.

Der Abend klingt mit einem guten Glas Wein und köstlichem italienischen Essen aus.

Samstag, 16.09.2017

Neugier ist zu spüren – und Aufregung. „Junges Forum“ heisst der Teil des Programms – Absolventen des BA-Studiengangs an der KHSB stellen ihre BA-Thesen vor.

Barbara Hamann beginnt, sie hat sich mit der kunst- und gestaltungstherapeutischen Arbeit mit Patientinnen mit borderline-Erkrankung beschäftigt. Deutlich werden Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse sowie therapeutische Interventionen auf dem Hintergrund der Objektbeziehungstheorie dargelegt.

Lenka Roth entführt uns in Offene Ateliers und deren Möglichkeiten, für künstlerisch interessierte und begabte Menschen mit einer psychischen Erkrankung einen Wirkungsort zu finden. Thematisiert werden die Möglichkeiten des selbstbestimmten Arbeitens, der Möglichkeiten,  Schutz- und Übungsräume zu schaffentherapeutischer Hilfeleistung zu bieten.

Nicole Sieber stellt uns ihre Arbeit zum Thema „Vom Loslassen und Festhalten“ im therapeutischen Setting vor. Philosophische Überlegungen zu diesem Grundthema des Lebens, Erfahrungen aus Palliativmedizin und der  kunsttherapeutische Umgang mit diesem uns alle beschäftigenden Thema beenden diese eindrucksvollen kurzen Vorträge – eine Ermutigung für alle Studierenden!

Nach einer erquickenden Pause  gibt es nun die Möglichkeit, in die Workshops einzutauchen. Eine wunderbare Gelegenheit auf verschiedene Ebenen mit Wissen sich nun schließlich praktisch zu bereichern und auszuprobieren.

Folgende Workshops waren zur Auswahl: „ Aktionales, kontemplatives, selbstreflektorisches Malen in der Kunsttherapie“ mit Henriette Schwarz,„Therapeutisches Spielen“ mit Gabriele Meyer-Enders, „Traumhaftes Geschehen beim Bilder Malen“ mit Kristin Stubenrauch,„Arbeit mit dem therapeutischen Sandspiel“ mit Tine Benoit, „Territorien und Spuren“ mit Martina Gemerek, „Unterwegs sein mit jungen Flüchtlingen“ mit Lucia Posey und „Fotografie als Gestaltungsmittel“ in der Kunsttherapie mit Manuel Kelecic.

In den unterschiedlichsten Weisen angehäuft mit Eindrücken folgte nach einer kurzen Pause ein spannender Vortrag von Frau Dr.  Ehemann. Sie ist Leiterin des „Living Museum“ in der Schweiz. Sie promovierte zur Anwendung der „Virtual Reality Therapie“ und zeigte uns noch wenig bekannte und verbreitete Möglichkeiten kunsttherapeutischer Interventionen im virtuellen Raum.

C.G. Jungs Traumwelten als Vorläufer der Geschichten in den virtuellen Welten und virtuelle Welten als Wunschwelt des Unbewussten? Eine intensive Diskussion folgte zu der aktuellen Thematik, der virtuellen Bilder als Imaginationsraume, die Verbindung von fiktiven und realen Bilderwelten zur Erweiterung der Selbstexploration und der Emotionsdifferenzierung zu sehen. Werden sich virtuelle Welten als Rahmen kunsttherapeutischen Arbeitens Interventionen durchsetzen?

Brisant und drängend sind diese Fragen zur Erweiterung des Interventionsspektrums in der Kunsttherapie in unserer Zeit.

Der Kopf und die Sinne sind gefüllt zum Nachdenken, überdenken, reflektieren und weiter diskutieren – nicht erst beim nächsten Symposium in zwei Jahren.

Sollten Sie nicht so lange warten wollen, kann ich Ihnen wärmstens die Fortbildungen 2018 vom DAGTP ans Herz, ins Gedächtnis oder auf den Tisch legen.

[Text: Bianca Raue-Schulenburg]